Der Ententeich

14,2 Hektar geschützte Natur in Gefahr

Ein seit Jahrzehnten geschütztes Naturgebiet soll für eine Erweiterung des Freizeitparks geopfert werden. Wir zeigen, warum Wald, Moor und Artenvielfalt unverzichtbar sind – für Klima, Hochwasserschutz und Lebensqualität in Brühl.

Phantasialand statt Naturschutz

Was geplant ist – und warum wir widersprechen

Nach den aktuellen Unterlagen zur Regionalplanänderung soll das 14,2 Hektar große Naturschutzgebiet „Ententeich“ für eine Erweiterung des Phantasialands in Anspruch genommen werden.

Damit würde ein vollständiges Naturschutzgebiet entfallen.

Unsere klare Haltung: Naturschutzgebiete werden ausgewiesen, um dauerhaft geschützt zu sein. Wenn ein bestehendes Schutzgebiet für wirtschaftliche Nutzung aufgegeben wird – also entwidmet – steht die Verlässlichkeit des Schutzstatus insgesamt infrage.

Schutzgebiete sollten dauerhaft dem Schutz unterliegen. Dieser Schutz sollte nicht verhandelbar sein. Schon gar nicht darf er relativiert werden, wenn wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.

Ein wertvolles Stück Natur

Bei der Erweiterung geht es nicht um „freie Fläche“ – sondern um ein Schutzgebiet

Das NSG „Ententeich“ ist seit über 30 Jahren rechtlich geschützt. Es umfasst:

  • ca. 10 Hektar gewachsenen Wald
  • ca. 4 Hektar gesetzlich geschütztes Flachmoor / Biotop
  • Lebensräume streng und besonders geschützter Arten
  • eine ökologische Pufferzone zwischen Freizeitpark und Ville-Wald
  • Laut Planunterlagen wären unter anderem betroffen:
    • Eisvogel, Amphibien, Fledermäuse, verschiedene Spechtarten
    • klimawirksame Waldflächen
    • grundwasserbeeinflusste Böden
    • eine lokale Kaltluftschneise

Mit Umsetzung der Planung würde ein vollständiges Naturschutzgebiet zerstört.

Wichtige Ökosysteme

Warum dieses Gebiet für Klima, Wasser und Lebensqualität unverzichtbar ist

Intakte Ökosysteme sind kein Luxus, sondern erfüllen zentrale Funktionen für unsere Gesellschaft:

  • Speicherung von CO2
  • Kühlung und Temperaturausgleich
  • Wasserrückhalt bei Starkregen
  • Luftreinigung
  • Erholungsraum
  • Sicherung biologischer Vielfalt

Je stabiler ein Ökosystem, desto widerstandsfähiger ist es gegenüber Klimaveränderungen und Extremwetter.

Der Verlust bedeutet nicht nur Flächenverlust – sondern auch Funktionsverlust mit nicht abzusehenden Folgen.

Ententeich
  • Es hat sich viel geändert

    Seit der ursprünglichen Regionalplanung haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verändert:

    • Das 1,5-Grad-Ziel gilt als überschritten.
    • Biodiversitätsziele fordern mehr Schutz – nicht weniger.
    • Starkregen- und Hitzeereignisse nehmen zu.

    Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Aufgabe eines bestehenden Naturschutzgebiets noch zeitgemäß ist.

  • Starkregen: reales Risiko für den Brühler Süden

    Das NSG liegt auf dem Villerücken in rund 145 Metern Höhe – mit etwa 70 Metern Gefälle zu den darunterliegenden Wohngebieten. Diese Stadtteile waren beim Starkregen im Juli 2021 überproportional betroffen.

    Der im Schutzgebiet liegende See speist den Lenterbach, der in den Dickopsbach mündet. Der Dickopsbach ist bereits heute als Hochwasserrisikogebiet ausgewiesen.

    Mehr zu den Folgen des Starkregens
  • Natürlicher Wasserrückhalt statt beschleunigten Abflusses

    Wald und See wirken als natürlicher Wasserrückhalteraum:

    • Speicherung und Verzögerung von Niederschlagswasser
    • Versickerung durch gewachsene Waldböden
    • Entlastung tieferliegender Siedlungsbereiche

    Eine großflächige Versiegelung würde diese Funktionen deutlich schwächen:

    • schnellerer Oberflächenabfluss
    • geringere Speicherwirkung
    • stärkere Abflussdynamik in Richtung Wohngebiete

    Welche Auswirkungen das bei künftigen Starkregenereignissen hätte, muss besonders sorgfältig geprüft werden.

  • Hitze und Kaltluft: ein unterschätzter Faktor

    Die bewaldete Höhenlage erfüllt eine wichtige klimatische Ausgleichsfunktion:

    • Frischluftentstehungsgebiet
    • Kaltluftschneise für tieferliegende Wohngebiete
    • natürlicher Temperaturpuffer

    Abends und nachts fließt kühlere Luft hangabwärts in den Brühler Süden. Mit zunehmenden Hitzetagen gewinnt diese Funktion stark an Bedeutung. Eine Versiegelung könnte die lokale Wärmebelastung erhöhen.

Naturschutzgebiet Ententeich

Eine Menge Autos

Mehr Fläche – mehr Verkehr

Der Freizeitpark verzeichnet rund zwei Millionen Besucher*innen jährlich. Viele reisen mit dem Auto an – Staus sind schon heute eine Belastung.

Eine Erweiterung kann zu Folgendem führen:

  • zusätzliches Verkehrsaufkommen
  • steigende Emissionen und Feinstaub
  • weitere Flächenversiegelung

Unser Appell

Das Naturschutzgebiet muss erhalten bleiben

Wir fordern:

  • keine Bebauung des NSG „Ententeich“
  • transparente Entscheidungsprozesse
  • vollständige Berücksichtigung von Klima- und Hochwasserrisiken
  • Respekt vor Art. 20a Grundgesetz (Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen)
  • Aufklärung der Bürger im Hinblick auf den erforderlichen Ausbau der Infrastruktur (Straßenbau), die zu Lasten der Steuerzahler geht. Wer trägt welche Kosten?

Naturschutzgebiete sind Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung – auch gegenüber künftigen Generationen.

Unterstütze uns!

Mit deiner Hilfe können wir dafür kämpfen, dass ein wichtiges Stück Natur erhalten bleibt.

  • Mach mit bei unserer Bürgerinitiative

    Aktuell sammeln wir Unterschriften, um ein Bürgerbegehren für das Naturschutzgebiet zu organisieren. Mit deiner Hilfe, können wir klar demonstrieren, dass die Natur uns wichtig ist.

  • Setz dich kommunalpolitisch ein

    Teile unsere Forderungen und stehe für sie ein. Je mehr Menschen dahinter stehen und an verschiedenen Punkten dafür arbeiten, desto eher sind wir klimaneutral.

  • Mach mit bei uns

    Arbeite mit am Klimaschutzkonzept und stehe für eine klimaneutraleres Brühl ein. Es gibt viel zu tun.

Was bringt uns das wirklich?

Es gibt viele Einwände und offene Fragen. Wir versuchen, die häufigsten zu beantworten.

„Aber das schafft doch Arbeitsplätze.“

Tourismus und Freizeitwirtschaft sind wichtig – Naturschutz und Klimaschutz sind allerdings gesetzlich verankerte Staatsziele (Art. 20a GG).

Die Frage ist also nicht „Arbeitsplätze oder Natur“, sondern: Ist die Aufgabe eines bestehenden Naturschutzgebiets erforderlich – oder gibt es Alternativen?

Ein wirtschaftlicher Nutzen allein rechtfertigt nicht automatisch die Aufhebung eines ausgewiesenen Schutzgebiets.

„Wenn Ausgleichsflächen geschaffen werden, ist das Problem doch gelöst.“

Ausgleichsmaßnahmen sind gesetzlich vorgeschrieben. Sie sollen Eingriffe kompensieren. Doch:

  • Neue Waldflächen brauchen Jahrzehnte, um ökologische Funktionen zu entwickeln.
  • Ein bestehendes Flachmoor ist kurzfristig nicht ersetzbar.
  • Ersatz findet an anderer Stelle statt; die Belastung bleibt in Brühl.
  • Zudem werden landwirtschaftliche Flächen stillgelegt, die dann als Ausgleichsfläche verwendet werden.

Eine gleichwertige ökologische Funktion lässt sich vor Ort nicht herstellen. Brühl verliert Natur und trägt die Folgen.

„Ist das nicht nur Symbolpolitik? 14,2 Hektar machen bundesweit keinen Unterschied.“

Naturschutz wirkt lokal – und summiert sich national. Jedes Schutzgebiet erfüllt eine konkrete ökologische Funktion vor Ort. Wenn bestehende Schutzgebiete zur Disposition gestellt werden, geht es nicht nur um einzelne Flächen, sondern um das Vertrauen in den Schutzstatus insgesamt.

Naturschutz funktioniert nur, wenn Schutz dauerhaft ist.

Zudem wäre dies ein gefährlicher Präzedenzfall: Noch nie wurde in NRW ein landeseigenes Naturschutzgebiet an einen privaten Investor verkauft. Ein solcher Schritt würde juristisch neue Wege öffnen – mit möglichen Nachahmern und weitreichenden Folgen.

„Das bringt der Stadt Steuereinnahmen.“

Kommunale Einnahmen sind wichtig. Gleichzeitig entstehen durch zusätzlichen Verkehr, notwendige Infrastrukturmaßnahmen und Umweltfolgekosten neue finanzielle Belastungen.

Eine ehrliche Gesamtbilanz muss daher transparent und umfassend bewertet werden.

„Warum richtet ihr euch gegen ein erfolgreiches Unternehmen?“

Tun wir nicht.

Unsere Initiative richtet sich nicht gegen ein Unternehmen. Wir setzen uns dafür ein, dass bestehende Naturschutzgebiete erhalten bleiben, ökologische Schutzstandards verlässlich sind und wirtschaftliche Entwicklung auch ohne Aufgabe eines Schutzgebiets möglich ist.

Es geht um Flächenschutz, nicht um Unternehmenskritik.

„Moderne Bauprojekte sind doch nachhaltig.“

Technische Nachhaltigkeitsmaßnahmen können Emissionen senken oder Energieeffizienz verbessern. Sie ersetzen jedoch nicht die ökologischen Funktionen gewachsener Wald- und Biotopflächen:

  • jahrzehntelange Bodenentwicklung
  • eingespielte Artenbeziehungen
  • natürliche Wasserrückhaltekapazitäten
  • lokale Klimaregulation

Technik kann Natur ergänzen, aber nicht kurzfristig gleichwertig ersetzen.

„Ist das nicht eine rein emotionale Debatte?“

Unsere Argumentation stützt sich auf:

  • offizielle Planunterlagen
  • dokumentierte Umweltauswirkungen
  • ausgewiesene Hochwasserrisikogebiete
  • gesetzliche Schutzkategorien
  • verfassungsrechtliche Vorgaben (Art. 20a GG)
  • Rekultivierte Fläche eines ehemaligen Braunkohleabbaugebiets.

Naturschutz berührt Werte – ist aber zugleich fachlich und rechtlich fundiert.